DOPING IN RUSSIA - PhoSeKo

Counter kostenlosiPhone Spiele
Go to content

Main menu:

DOPING IN RUSSIA

Archives / เอกสาร > 2014
ARD-Doku entlarvt 
Russlands Sportsystem


Russlands 800-Meter-Olympiasiegerin von London 2012, Marija Sawinowa, hat bereits über ihre Dopingpraktiken berichtet. (Quelle: AP/dpa)
Die großen Erfolge der Sportnation Russland sind offenbar auch auf systematisches Doping und Betrug aufgebaut. Selbst die Welt-Anti-Doping-Agentur ist schockiert.
3. Dezember 2014 18:52

Eine Doping-Kontrollstation bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi im Februar 2014 | © Harry How/Getty Images
Es geht um systematisches Doping und Vertuschung von positiven Kontrollen, um Schmiergeldzahlungen und Korruption: Die ARD-Doku Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht könnte die Glaubwürdigkeit einer großen Sportnation in den Grundfesten erschüttern. In dem Film packen Insider und Sportler über ein nahezu flächendeckendes Dopingsystem aus. Die 60-minütige Dokumentation präsentiert geheime Aufzeichnungen in Bild, Ton und Schrift mit Hinweisen auf staatlich unterstütztes Doping sowie auf einen offenbar im Hintergrund wirkenden Betrugs- und Vertuschungsapparat.
"Die Kombination all dieser Dinge ist fürchterlich schockierend", erklärte David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), zu den Enthüllungen. Entsetzt reagierte auch Wada-Gründungsdirektor Richard Pound auf den Film von Hajo Seppelt. "Das ist ein extrem alarmierender Fall", sagte er. Die Spur der Recherche führt bis in das Dopingkontrolllabor in Moskau und in den Leichtathletik-Weltverband IAAF.

Der ehemalige Leiter des Ausbildungsprogramms der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada sagt in dem Film über die 800-Meter-Weltklasseläuferin und heutige Ehefrau Julia Rusanowa (heute Stepanowa): "Sie hat mir erzählt, dass alle Sportler in Russland dopen und dass die Ergebnisse nicht ohne Doping erreicht werden können", so Witali Stepanow. Im Detail schilderte sie ihm, wie sie jahrelang gedopt wurde. "Als wir uns kennenlernten, habe ich ihm die Augen geöffnet und erzählt, wie es wirklich funktioniert", sagte die Athletin, die 2013 für zwei Jahre gesperrt wurde, der ARD. "Den Trainern wird es eingehämmert und die hämmern es den Athleten ein. Die Athleten denken deshalb gar nicht, wenn sie verbotene Präparate einnehmen, dass sie etwas Unrechtes tun."

Es seien beliebige Mädchen von Trainern ausgesucht worden, um sie mit verbotenen Tabletten zu füttern. "Und wenn einer erwischt wird, schmeißen sie den Sportler weg und nehmen einen neuen." Bestätigt wird das auch vom russischen Wurfdisziplintrainer Oleg Popow: "Der Sportler hat keine Wahl." Die Diskuswerferin Jewgenia Pecherina behauptet sogar, "der größte Teil der Athleten dopen, 99 Prozent". In einem in der Sendung gezeigten Handyvideo berichtet auch die 800-Meter-Olympiasiegerin von London 2012, Marija Sawinowa, über ihre Dopingpraktiken – etwa die Einnahme des Anabolikums Oxandrolon.
Gedopte Athleten mussten für die Siege bezahlen

Die Rusada hat im Jahresbericht angegeben, dass in Russland 2013 insgesamt 23.110 Dopingtests gemacht wurden. Dabei seien mehr als 500 Dopingfälle festgestellt worden. Witali Stepanow, der drei Jahre für die Rusada tätig war, berichtet von Vertuschungspraktiken: "Ich bekam ganz klar mit, dass Offizielle versucht haben sicherzustellen, dass Athleten erst gar nicht getestet wurden." Davon betroffen seien etwa Athleten der Sportarten Schwimmen, Radfahren, Biathlon, Leichtathletik, Gewichtheben und Ski nordisch. Zusammen mit seiner Frau hat er Russland vor Ausstrahlung des ARD-Berichts für immer verlassen. "Ich glaube, dass Russland uns das nicht verzeihen wird", sagte Julia Rusanowa.
Einer der Drahtzieher und eine der zentralen Figuren des russischen Dopingsystems soll der Sportmediziner Sergej Portugalow sein. Er sollte für die IAAF eine Antidoping-Taskforce mit aufbauen. Rusanowa war selbst bei ihm und hat verbotene Substanzen von ihm erhalten. "Er hat mir erklärt, dass sich die ganze Welt so verhält", sagte sie. Für die Dopingdienste verlangte Portugalow nach ihren Angaben im Falle eines Sieges von ihr über 800 Meter 50.000 Rubel. Für Platz zwei und drei hatte sie 30.000 beziehungsweise 20.000 Rubel zu zahlen. "Ich musste die gewonnenen Medaillen bezahlen", sagte Rusanowa, die einen Besuch bei Portugalow heimlich gefilmt hatte.
Auch der Leiter des Doping-Kontrolllabors in Moskau, Gregori Rodschenkow, gerät durch die Sendung in Verdacht. Er soll nach Aussage von Witali Stepanow für Athleten Einnahmepläne verbotener Mittel erstellt haben, "damit sie nicht positiv getestet werden". In einer Stellungnahme wehrte sich Rodschenko gegen die Anschuldigungen. "Sie sollten sehr vorsichtig sein, Betrügern zu glauben. Diese erleben ja die Katastrophe ihres Lebens", erklärte er der ARD. Ebenso wehrte er sich gegen den Vorwurf, Geld zur Vertuschung von Doping genommen zu haben: "Die Antwort ist nein."

Nach der ARD-Recherche soll der Präsident des russischen Leichtathletikverbandes und Schatzmeister der IAAF, Walentin Balachnitschew, in einen Korruptionsfall verstrickt sein. Lilija Schobuchowa, eine der besten Marathonläuferinnen der Welt, erkaufte sich nach eigener Darstellung gegen Zahlung von 450.000 Euro an russische Funktionäre die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London. Zu diesem Zeitpunkt lagen dem russischen Verband bereits ihre extrem auffälligen Blutwerte der Jahre 2009 bis 2011 vor, die der nationale Verband nicht als Dopingverstoß gewertet hatte.

"Gibt es so etwas nur in Russland?"
Schobuchowa behauptete, dass einer der russischen Cheftrainer, Alexej Melnikow, das Geld forderte: "Wir gaben das Geld ab und man sagte uns: 'Alles wird gut werden.'" In der ARD-Dokumentation werden Belege gezeigt, dass Balachnitschew in den Vorgang offensichtlich involviert war. Auf konkrete Fragen dazu antwortete Balachnitschew nicht. Die Marathonläuferin ist Ende April 2014 wegen Dopings gesperrt worden.

Der Beitrag endet mit einer Frage des Filmmachers. "Gibt es so etwas nur in Russland?", fragt Seppelt. Eine Antwort gibt es nicht. Klar ist aber, dass nicht nur in Russland manipuliert wird. Und wiederum nicht jeder Sportler in Russland automatisch Dopingsubstanzen zu sich nimmt.

 
Back to content | Back to main menu